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Was ziehe ich zu einem Portraitshooting an?

10. Juni
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Sept.

Eine der häufigsten Fragen vor einem Portraitshooting ist wahrscheinlich gleichzeitig eine der schwierigsten:

Was soll ich anziehen?

Meine erste Antwort darauf ist eigentlich ziemlich einfach:

Zieh das an, worin du dich wohlfühlst.

Denn am Ende musst du das Outfit tragen und nicht das Outfit dich.

Ein Kleidungsstück kann noch so gut aussehen. Wenn du dich darin unwohl fühlst, merkt man das meistens auch vor der Kamera.


Portraitshooting in Nürnberg mit abgestimmtem Outfit.

Wohlfühlen ist wichtiger als irgendeine Moderegel

Für mich ist das Wichtigste bei der Outfitwahl, dass du dich selbst darin wiedererkennst.

Wenn du normalerweise nie Hemden trägst, musst du für ein Portraitshooting nicht plötzlich im Hemd auftauchen, nur weil das vermeintlich „fotogener“ aussieht.

Dasselbe gilt andersherum.

Wer sich gern schick anzieht, muss für natürliche Portraits nicht automatisch auf Jeans und T-Shirt wechseln.

Der eigene Stil darf und soll auf den Bildern zu sehen sein.

Portraitfotografie funktioniert für mich am besten, wenn am Ende nicht nur ein schönes Bild entsteht, sondern auch die Person darauf noch zu sich selbst passt.


Lieber ein Outfit mehr einpacken

Ab einer Shootingdauer von ungefähr einer Stunde empfehle ich normalerweise mindestens zwei verschiedene Outfits.

Damit lässt sich schon mit relativ wenig Aufwand deutlich mehr Abwechslung in die Bilder bringen.

Manchmal reicht bereits der Wechsel von Oberteil, Jacke oder Schuhen und eine Serie bekommt eine komplett andere Wirkung.

Wenn du dir bei zwei Outfits unsicher bist, bring im Zweifel einfach beide mit.

Vor dem Shooting können wir gemeinsam schauen, was besser zum geplanten Hintergrund, zur Location und zur gewünschten Bildwirkung passt.

Die Outfitwahl vorher gemeinsam zu besprechen gehört für mich deshalb ganz selbstverständlich zur Vorbereitung.


Manche Muster machen der Kamera das Leben schwer

Nicht jedes Muster, das mit dem Auge gut aussieht, funktioniert genauso gut auf einem Foto.

Sehr feine Streifen, kleine Karos, Mini-Muster, kleine Punkte oder Hahnentritt können beispielsweise sogenannte Moiré-Effekte erzeugen.

Dabei entstehen auf dem Bild störende wellenartige oder flimmernde Strukturen.

Auf dem kleinen Kameradisplay kann der Stoff noch völlig unauffällig aussehen und später am großen Bildschirm beginnt plötzlich das Flimmerfestival.

Deshalb würde ich bei sehr feinen, regelmäßig wiederholenden Mustern eher vorsichtig sein.


Neonfarben haben ihren eigenen Kopf

Giftgrün, Neonpink, kräftiges Gelb und ähnliche Farben können fotografisch ebenfalls schwierig werden.

Solche Farben reflektieren Licht sehr stark und können ihren Farbton auf die Haut oder die Umgebung werfen.

Dann wird aus einem eigentlich normalen Hautton schnell eine kleine Nachbearbeitungsbaustelle.

Neonfarben sind deshalb nicht grundsätzlich verboten.

Man sollte nur wissen, dass sie das Licht und damit auch die Aufnahme stärker beeinflussen können als gedecktere Farben.


Portraitaufnahme mit farblich abgestimmtem Outfit.

Rot und Magenta funktionieren, brauchen aber Aufmerksamkeit

Auch sehr kräftiges Rot oder Magenta können auf Fotos anspruchsvoller sein.

Bei hoher Sättigung können feine Strukturen im Stoff verloren gehen und kräftige Farben können sich auf umliegende Hautbereiche auswirken.

Das bedeutet nicht, dass Rot vor der Kamera schlecht aussieht.

Ganz im Gegenteil.

Es sollte nur bei Licht und Belichtung entsprechend berücksichtigt werden.


Das Gesicht sollte interessanter bleiben als das T-Shirt

Große Logos, riesige Schriftzüge und sehr wilde Prints ziehen schnell Aufmerksamkeit auf sich.

Bei einem Portrait möchte ich normalerweise aber, dass der Blick zuerst beim Menschen landet.

Ein riesiges Logo mitten auf der Brust kann plötzlich zum eigentlichen Hauptmotiv des Bildes werden.

Wer genau diesen Look möchte, kann natürlich bewusst damit arbeiten.

Für klassische Portraits sind etwas ruhigere Kleidungsstücke aber meistens vielseitiger.


Eng oder locker? Das entscheidest du

Ob Kleidung eng oder locker sitzen soll, hängt für mich komplett vom persönlichen Stil ab.

Es gibt keine allgemeine Regel, nach der körperbetonte Kleidung automatisch besser fotografiert werden kann.

Ein Oversize-Look kann genauso funktionieren wie ein eng anliegendes Outfit.

Wichtig ist nur, dass Schnitt und Stil bewusst gewählt sind und du dich darin bewegen kannst.

Denn wenn während des gesamten Shootings nur daran gedacht wird, ob irgendwo etwas verrutscht oder komisch sitzt, hilft das weder dir noch den Bildern.


Portraitshooting mit lockerem Outfit im Fotostudio.

Auch die Schuhe gehören zum Outfit

Schuhe werden bei der Vorbereitung gerne ein bisschen vergessen.

Bei Ganzkörperaufnahmen gehören sie aber genauso zur Bildwirkung wie Hose, Oberteil oder Jacke.

Sie sollten deshalb farblich und stilistisch zum restlichen Outfit passen.

Lila Schuhe, rotes Oberteil und schwarze Hose können beispielsweise schnell wirken, als hätten drei unterschiedliche Outfits spontan beschlossen, gemeinsam zum Shooting zu kommen.

Es muss nicht alles exakt dieselbe Farbe haben.

Der gesamte Look sollte aber zusammenpassen.


Schmuck darf Persönlichkeit zeigen

Bei Schmuck und Accessoires hängt für mich vieles von der Person ab.

Wenn große Ohrringe oder auffällige Accessoires zu deinem normalen Stil gehören, dürfen sie natürlich auch auf deinen Bildern zu sehen sein.

Mit dezentem Schmuck macht man allerdings selten etwas falsch.

Eine Kette und passende Ohrringe können einem Outfit etwas mehr geben, ohne sofort die gesamte Aufmerksamkeit vom Gesicht wegzunehmen.

Auch hier gilt wieder: Das Foto soll am Ende nach dir aussehen.


Weiße Oberteile sind nicht immer so unkompliziert wie gedacht

Weiße T-Shirts, Blusen oder Hemden können bei Studioaufnahmen etwas mehr Aufmerksamkeit benötigen.

Weiß reflektiert Blitzlicht sehr stark.

Dadurch kann es bei falscher Belichtung schnell passieren, dass feine Strukturen im Stoff verloren gehen oder das Kleidungsstück deutlich heller wirkt als der Rest des Bildes.

Natürlich kann man weiße Kleidung trotzdem fotografieren.

Das Licht muss lediglich entsprechend darauf abgestimmt werden.

Wenn du mehrere Möglichkeiten hast, kann es deshalb sinnvoll sein, zusätzlich noch ein alternatives Oberteil mitzubringen.


Portraitaufnahme mit hellem Oberteil im Fotostudio.

Make-up und kleine Helfer im Studio

Wer Make-up verwendet und während des Shootings etwas nachbessern möchte, sollte die eigene Schminke und insbesondere den eigenen Puder mitbringen.

Im Studio habe ich für kleine Notfälle unter anderem Abschminktücher und pH-neutrales Deo da.

Persönliche Kosmetik ist trotzdem sinnvoller selbst mitzubringen, weil jeder andere Produkte, Hauttypen und Farbtöne verwendet.

Gerade bei längeren Shootings kann ein bisschen Puder zwischendurch außerdem deutlich angenehmer sein als später zu versuchen, jede glänzende Hautstelle am Rechner zu retten.


Wenn du überhaupt keine Ahnung hast, frag einfach vorher

Niemand muss vor einem Portraitshooting bereits wissen, welches Outfit fotografisch perfekt funktioniert.

Genau dafür gibt es die Vorbereitung.

Wenn du zwischen mehreren Sachen schwankst, können wir vorher gemeinsam überlegen, welcher Look zu deiner gewünschten Bildidee passt.

Du kannst auch einfach mehrere Varianten mitbringen und wir entscheiden vor Ort.

Denn für mich gehört diese Beratung genauso zum Shooting wie später Kamera und Licht.


Am Ende gibt es nur eine wirklich wichtige Regel

Natürlich gibt es Farben, Muster und Stoffe, mit denen eine Kamera leichter oder schwieriger zurechtkommt.

Trotzdem würde ich niemals ein technisch perfektes Outfit empfehlen, in dem sich die Person vor der Kamera überhaupt nicht wiederfindet.

Ein gutes Outfit unterstützt ein Portrait.

Es sollte aber niemals wichtiger werden als der Mensch darin.

Deshalb bleibt mein wichtigster Tipp ziemlich simpel:

Trag etwas, in dem du dich wirklich wohlfühlst.


Der Rest lässt sich gemeinsam planen. 📸

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