Warum ein Fotoshooting keine Modellerfahrung voraussetzt
Eine der häufigsten Unsicherheiten vor einem Shooting hat eigentlich gar nichts mit Kleidung, Location oder Kamera zu tun.
Sie beginnt meistens mit einem Satz wie:
„Ich habe sowas noch nie gemacht.“
Und genau das ist bei mir völlig normal. Ich würde sagen, ungefähr 90 Prozent der Menschen, die bei mir vor der Kamera stehen, haben vorher noch nie ein richtiges Fotoshooting gemacht.
Modelerfahrung ist deshalb keine Voraussetzung. Im Gegenteil: Für mich gehört es zu meinem Job, jemanden dort abzuholen, wo er gerade steht.
„Ich weiß überhaupt nicht, was ich machen soll“
Dieser Satz fällt ziemlich häufig.
Und meine Antwort darauf ist meistens ziemlich einfach: Keine Sorge.
Niemand muss zu mir kommen und bereits wissen, wie man die Hände hält, wohin man schaut oder wie man sich vor einer Kamera bewegt.
Für genau diese Situationen habe ich mir sogar ein paar Spickzettel vorbereitet. Dahinter steckt inzwischen eine Sammlung von rund 100 verschiedenen Posen mit Erklärungen.
Die können wir uns gemeinsam auf einem Tablet anschauen und dabei auch durch mein Portfolio gehen.
Das bedeutet aber nicht, dass wir anschließend irgendeine Pose einfach eins zu eins nachbauen.
Die Bilder dienen vielmehr als Orientierung und Ausgangspunkt.

Erst einmal hinstellen
Ich arbeite bei jeder Person etwas anders.
Deshalb beginne ich meistens ziemlich unkompliziert: Erst einmal hinstellen.
Ich schaue mir an, wie sich die Person ganz von selbst vor der Kamera positioniert. Danach kommen kleine Veränderungen.
Vielleicht verändert sich die Stellung der Beine. Eine Hand wandert an eine andere Stelle. Der Oberkörper wird etwas gedreht oder der Kopf minimal anders gehalten.
Statt direkt zu sagen: „Mach genau diese komplizierte Pose“, entsteht die Haltung Schritt für Schritt.
So muss niemand plötzlich versuchen, gleichzeitig an Hände, Beine, Schultern, Gesichtsausdruck und Blickrichtung zu denken.
Denn genau dann wird aus einem Fotoshooting schnell menschliches Tetris.
Das eigentliche Problem sitzt meistens im Kopf
Die Pose selbst ist meiner Erfahrung nach gar nicht das größte Hindernis.
Viel häufiger sind es Gedanken wie:
„Ich sehe auf Fotos nicht gut aus.“
„Sowas ist nichts für mich.“
„Ich habe das noch nie gemacht.“
„Ich weiß gar nicht, was ich machen soll.“
Oder der Klassiker:
„Ich bin einfach unfotogen.“
Diese Gedanken entstehen häufig schon lange bevor überhaupt das erste Foto gemacht wurde.
Und wenn jemand bereits mit der Erwartung ins Shooting kommt, auf Bildern nicht gut auszusehen, braucht es manchmal einfach ein bisschen Zeit, bis diese Anspannung verschwindet.
Wenn aus Unsicherheit langsam Sicherheit wird
Ein schönes Beispiel dafür war mein Shooting mit Veronika.
Am Anfang war sie bei ihren Haltungen noch sehr zurückhaltend und schüchtern.
Mit der Zeit wurde sie aber immer lockerer.
Und genau das konnte man später auch auf den Bildern sehen.
Die Körperhaltung wurde selbstverständlicher, die Bilder wirkten entspannter und man hatte immer weniger das Gefühl, dass dort gerade jemand steht, der sich Gedanken darüber macht, was er mit seinen Händen anfangen soll.
Solche Shootings zeigen für mich sehr schön, warum Erfahrung vor der Kamera nicht das Entscheidende ist.
Viel wichtiger ist, dass man während des Shootings die Möglichkeit bekommt, langsam hineinzufinden.

Niemand muss vor dem Shooting üben
Man muss zuhause keine Posen vor dem Spiegel trainieren.
Man muss keine Videos über Modelposing anschauen.
Und man muss auch keine fünf Jahre Erfahrung vor der Kamera mitbringen.
Natürlich darf jemand eigene Ideen oder Beispielbilder mitbringen. Das kann sogar sehr hilfreich sein.
Aber niemand muss vorbereitet ins Studio kommen und direkt „funktionieren“.
Dafür machen wir schließlich ein Shooting gemeinsam.
Wenn du dich bisher nicht getraut hast
Vielleicht schaust du gerade meine Bilder an und denkst:
„Das würde ich eigentlich auch gerne machen, aber ich könnte sowas niemals.“
Dann ist genau das vielleicht der richtige Moment, es trotzdem auszuprobieren.
Hab keine Scheu.
Ich begleite dich auch mit deiner Unsicherheit durch das Shooting. Du musst vorher nichts können und niemand erwartet von dir, dass du beim ersten Bild wie ein professionelles Model vor der Kamera stehst.
Am Ende wirst du wahrscheinlich selbst überrascht sein, was du vor der Kamera abliefern kannst.
Manchmal braucht es dafür nur einen kleinen Ruck.
Und den wirst du sehr wahrscheinlich nicht bereuen.

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